Wie man nicht richtig recherchiert und einen Artikel schreibt

13 07 2007

Man mag ja gespalten sein über Internetjournalismus. Ich selbst sehe mich ja nicht als Journalisten an, habe nicht den Anspruch. Ebenso glaube ich auch nicht, das ich ein Meister der geschliffenen Formulierung bin. Das können andere besser als ich. Dennoch finde ich sollte man  einen einigermaßen gewissen Standard setzt, was die Recherche von Hintergrundinformationen angeht.

Ein gutes Beispiel stellt der Artikel von Michael Werbowski über die Wahl am 22. Juli in der Türkei dar, der in Readers Edition erschien. Ich zitier mal:

“Die AKP („Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung“) des Premierministers Recep Tayyip Erdogan wird gemäß der lokalen Presse und Umfragen wahrscheinlich 300 bis 310 Sitze in den anstehenden türkischen landesweiten Wahlen gewinnen, knapp weniger als die 367 Sitzen, die man für eine absolute Mehrheit braucht. Eine Koalition, die aus einem weiten Spektrum von links nach rechts besteht, könnte das Ergebnis sein. Wenn sie wiedergewählt wird, muss die AKP Erdogans möglicherweise mit dem linken Flügel der Republikanischen Volkspartei (CHP) und der ultra nationalistischen Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP) koalieren, um zu regieren. Diese sind in der Tat merkwürdige Bettgenossen.”

Nun hier hat Herr Werbowski sich wohl nicht die Mühe gemacht, mal nachzufragen, wie viele Sitze das Parlament  in Ankara hat. Es hat nämlich 550 Sitze. Um eine Regierung zu bilden brauchen eine Partei 276 Abgeordnete. Herr Werbowski sagt der AKP 300 bis 310 Sitze voraus, was sich auch mit meinen Vermutungen deckt.  Aber er redet von einer Koalition mit der MHP oder der CHP der AKP, damit diese wieder regieren kann. Warum? Weil sie weniger als 367 Sitze haben wird. Irrtum: Diese Zahl ist notwendig, damit der Staatspräsident beim 1. und .2 Wahlgang gewählt wird, bzw nach dem letzten Urteil des Verfassungsgerichtes müssen auch 367 Abgeordnete bei der Wahl zum Staatspräsidenten im Plenum anwesend sein bzw teilnehmen.  Die AKP kann mit 310 Abgeordneten locker die Regierung stellen, wird aber sich mit den anderen Parteien zusammensetzen, um ihren Kandidaten bei der Wahl zum Staatspräsidenten durchzusetzen.  Aber sehr viele Türken verstehen diese Zahlenspielereien ja auch nicht, und da ist es um so verständlich das ein Außenstehender das auch nicht so verstehen kann und das eine oder andere  vertauschen kann.


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