In Istanbul hat am Montag der Prozess gegen 18 Verdächtige wegen der Ermordung des armenisch-türkischen Journalisten Hrant Dink begonnen. Dink war am 19. Januar in Istanbul erschossen worden. Reiner Hermann von faz.net liefert eine Bericht über den Prozess und die Hintergründe des Mordes, der vermuten lässt, dass eine Beziehung zwischen den Mördern und Teilen des Staates existiert. So wurde einer Tatverdächtigen, Erhan Tuncel als Polizeispitzel entlarvt, der die Behörden schon mehrmals vor einen Mordanschlag auf Dink gewarnt hat.
Hrant Dinks Mörder vor Gericht
Von Rainer Hermann, Istanbul
02. Juli 2007
Fast ein halbes Jahr nach dem Mord an dem türkisch-armenischen Intellektuellen Hrant Dink hat in Istanbul der Prozess gegen 18 Personen begonnen, die der Planung und Durchführung der Tat angeklagt sind. Um das Gebäude des Schwurgerichts demonstrierten am Montag 1000 Personen gegen Faschismus und Nationalismus. Auf ihren Transparenten war unter anderem zu lesen: „Wir wollen Gerechtigkeit.“ Die Verteidiger der Angeklagten nahmen das zum Anlass, die Demonstranten zu beschimpfen. Der türkisch-armenische Intellektuelle Dink war am 19. Januar 2007 vor dem Gebäude der Wochenzeitung „Agos“, die er herausgab, von einem 17 Jahre jungen Schüler erschossen worden.
Da mehrere Angeklagte jünger sind als 18 Jahre, ist das Verfahren nichtöffentlich. Ihnen wirft die Anklageschrift vor, eine Bande gebildet zu haben, die vier Verbrechen verübt hat: Im Sommer 2002 den Übergriff auf einen katholischen Priester in Trabzon, am 16. August 2004 einen falschen Bombenalarm auf dem Flughafen Trabzon, am 24. Oktober 2004 den Sprengstoffanschlag auf ein McDonalds-Restaurant in Trabzon und am 19. Januar 2007 den Mord an Hrant Dink. Die Anklage lautet auf Mitgliedschaft, Führung und Unterstützung einer terroristischen Vereinigung, vorsätzlichen Mord und Zerstörung von Eigentum, illegalen Waffenbesitz und Schutz der Täter.